Die Gewöhnliche Betonie,
Heilziest
Betonica officinalis
Bedeutung und Wert für Wildbienen
In unserer Landschaft ist die Betonie als Nektar- und Pollenquelle für Wildbienen besonders in den Spätsommermonaten Juli und August sehr wertvoll, wenn viele andere Pflanzen schon verblüht sind. Gern besucht wird sie von der Vierfleck-Pelzbiene (Anthophora quadrimaculata) und von Hummeln. Die Wald-Pelzbiene (Anthophora furcata), die in Dresden auf baumreichen Grünflächen wie Friedhöfen vorkommt, hat ebenfalls eine Vorliebe für Lippenblütler wie die Betonie. Auch bei der Betonie bilden die Männchen der Garten-Wollbiene (Anthidium manicatum) Reviere um dichtwachsende Bestände. Damit verteidigen die Männchen sie gegen andere Blütenbesucher und sichern so ihren Weibchen ein exklusives Nahrungsangebot.
Headerbild: Silvana Eger
Merkmale
Die Betonie (Betonica officinalis) gehört zu den Lippenblütengewächsen. Sie ist mehrjährig, winterhart und kann bis zu 1 m hoch werden. Ein Teil der ovalen, am Grunde herzförmigen, gekerbten Blätter bildet am Boden eine kräftig grüne Rosette.
Bild: Silvana Eger
An den aus der Rosette emporwachsenden, aufrechten, vierkantigen Blütenstängeln finden sich zwei oder drei Blattpaare.
Bild: Angela Kühne
Die in den Scheinähren stehenden Blüten haben eine lila bis hellrote oder dunkelrosa Farbe.
Bild: Silvana Eger
Natürliche Ausbreitung
Samen werden von Tieren gefressen und an anderer Stelle wieder ausgeschieden. Sie können auch im Fell von Tieren haften bleiben und so an andere Orte gebracht werden.
Wissenswertes
Wegen ihrer vielen wirksamen Inhaltsstoffe wird die Betonie auch Heilziest genannt. In der Antike und im Mittelalter war die Betonie eine wichtige Heilpflanze und somit fester Bestandteil jedes Klostergartens. So soll sie gegen Durchfall, Asthma und Atemwegsbeschwerden helfen sowie blutstillende und wundheilende Eigenschaften besitzen.
Bild: Franke Patrizia
Bild: Angela Kühne
Standortansprüche
Die Kultivierung der Betonie im Garten ist unproblematisch, lediglich vor Austrocknung bzw. Staunässe sollte die Pflanze bewahrt werden. Sie bevorzugt deswegen einen durchlässigen, sandigen Lehmboden.
Standort: sonnig bis halbschattig, auch in Blumentöpfen ab 12 cm Tiefe
Platzbedarf: 35 cm x 35 cm
Höhe: 30 cm bis 80 cm
Wasser: frisch bis trocken
Blütezeit: Juni bis September
Vermehrung im Garten oder auf dem Balkon
Samenreife: ab Juli
Keimbedingungen: Warmkeimer, Dunkelkeimer
Ab Juli beginnen die Samen auszureifen. Wenn die Mehrzahl der Einzelfrüchte eine bräunliche Farbe angenommen hat und die ersten Samen bei leichtem Klopfen herausfallen, werden die Samenstände abgeschnitten. Sie sollten in offenen Schalen an einem gut durchlüfteten Ort nachgetrocknet werden. Später können die Samen vollständig ausgeklopft und in Papiertüten aufbewahrt werden.
Bild: Peter Zuber
Bild: Silvana Eger
Verbreitung und Lebensraum
Der Verbreitungsraum der Betonie erstreckt sich über weite Gebiete Europas. Sie kommt in verschiedenen Lebensräumen vor, sofern diese nicht zu nährstoffarm oder zu sauer sind. Dazu zählen Feucht- und wechselfeuchte Wiesen, sonnige Waldsäume, lockere Gebüsche und Hochstaudenfluren. Aber auch auf trockenen Standorten ist sie anzutreffen.
Gefährdung
Bei der Gewöhnlichen Betonie ist in Sachsen durch Verlust ihrer Lebensräume ein erheblicher Rückgang ihrer Vorkommen bzw. Bestandsdichte zu verzeichnen. Darum steht sie auf der Vorwarnliste für gefährdete Pflanzen (Rote Liste Sachsen 2013: V). Ursachen sind die großen Nährstoffeinträge durch die intensive Landnutzung sowie die Nutzungsaufgabe und eine damit einhergehende Verbuschung der Flächen.